Sie erreichen alle an der Schule Beschäftigten per Telefon und per Telefax über das Sekretariat, per E-Mail über die Mailadresse: Vorname.Nachname@jls-wt.de (setzen Sie den Vor- und Nachnamen des Adressaten ein).
Während in Waldshut die Narren ihre Hauptsaison hatten, bot sich mir die Möglichkeit, mit ERASMUS+ an einem einwöchigen Kurs „FULL STEAM“ in Oulu, Finnland, teilzunehmen. Diese Woche hat in vielerlei Hinsicht einen großen Eindruck auf mich gemacht. Ziel der Fortbildung war es, einen Überblick über das finnische Schulsystem zu bekommen und die Ausrichtung vieler Bildungseinrichtungen auf das STEAM-Konzept kennenzulernen – unter anderem durch Besuche verschiedener Schulen.
STEAM steht für einen fachübergreifenden, projektbasierten Unterricht, der Science, Technology, Engineering, Art und Mathematics verbindet. Der Unterricht folgt dabei einem zyklischen Prozess von der Aufgabenstellung über Hintergrundwissen, Ideenfindung und Planung bis hin zu Umsetzung sowie Präsentation und Reflexion. In Finnland zieht sich dieser Ansatz vom Kindergarten über alle Schulformen bis zur Universität. Fehler gelten ausdrücklich als Teil des Lernprozesses, Ideen aller Lernenden werden einbezogen und Wissen wird gemeinsam aufgebaut.
Die Erfolge finnischer Schulen bei internationalen Vergleichen wie der PISA-Studie sind bekannt. Einige Unterschiede zum deutschen beziehungsweise baden-württembergischen Schulsystem sind besonders auffällig. Kinder können bereits ab neun Monaten den Kindergarten besuchen, der oft von 5:30 Uhr bis 22 Uhr geöffnet ist. Ab dem Vorschulalter ist der Besuch verpflichtend, ebenso wie der anschließende zwölfjährige Schulbesuch. Alle Kinder lernen zunächst gemeinsam und inklusiv in den Klassen 1 bis 9, bevor anschließend eine Aufteilung in unterschiedliche Schulformen erfolgt. Unsere 33-köpfige Lehrergruppe durfte vier sehr unterschiedliche Schulen besuchen. Besonders beeindruckt haben mich die kleinen Gruppen im Kindergarten, zusätzliche Unterstützung im Unterricht sowie die vielfältigen Lernräume wie Schülerbüchereien, Makerspaces, Werkstätten oder Theaterbühnen mit Materialien wie Lego, 3D-Druckern oder Laserschneidern. Am meisten fasziniert hat mich jedoch die ruhige und konzentrierte Arbeitsatmosphäre der Schülerinnen und Schüler, die individuell, paarweise oder in Gruppen arbeiten.
In den weiterführenden Schulen wird das Schuljahr in mehrere Abschnitte unterteilt, in denen die Lernenden Kurse wählen können, die teilweise projektartigen Charakter haben. Am Ende jedes Abschnitts finden Prüfungen statt. Bewegung, Aufenthalte in der Natur und lange Mittagspausen sind bewusst eingeplant. Die Grundpfeiler des finnischen Schulsystems sind Sicherheit, Vertrauen, Gleichheit und Verantwortung.
ERASMUS+ bietet eine großartige Möglichkeit zum Austausch über Länder- und Sprachgrenzen hinweg. Teilnehmende aus Island, Portugal, Spanien, Frankreich, Deutschland, Italien, Polen, der Türkei und Finnland arbeiteten gemeinsam an Projekten, diskutierten miteinander und tauschten Ideen aus.
Auch die Stadt Oulu selbst ist inspirierend. Die fünftgrößte Stadt Finnlands mit rund 200.000 Einwohnern nahe dem Polarkreis ist eine der Europäischen Kulturhauptstädte 2026. Der Winter war vielleicht die perfekte Jahreszeit für einen Besuch: Temperaturen unter –20 °C, verschneite Bäume, ein zugefrorenes Meer und ein 400 Kilometer langes Radwegenetz, das selbst im Winter genutzt wird. Kunst, Design und Nachhaltigkeit sind in der Stadtentwicklung deutlich sichtbar. Der einzige kleine Wermutstropfen: Nordlichter habe ich leider keine gesehen – vielleicht ein guter Grund, noch einmal nach Oulu zurückzukehren.
Ich bin sehr dankbar für diesen spannenden Kurs, der meinen Blick auf Schule verändert und mir viele Anregungen für den eigenen Unterricht gegeben hat. Ebenso wertvoll waren die Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen aus ganz Europa und die Möglichkeit, eine faszinierende Stadt in einem beeindruckenden Land kennenzulernen.
Irene Obenauer-Schührer, Lehrerin an der JLS
Fachabteilung Pflege